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Die Atmosphäre in einer Krebsklinik ist eine ganz besondere. Sie wirkt schon beim betreten des Hauses. Ist Krebs ansteckend denke ich, was wenn ich mich infiziere. Ich weiß natürlich, dass Krebs nicht ansteckend ist, aber trotzdem kommen mir diese Gedanken beim betreten des Hauses in den Sinn. Die Stationen des Bettenhauses, wie die Stationen I-IV hier genannt werden, sind so wie man sich das in einem Krankenhaus vorstellt. Ein langer Flur, mit davon links und rechts abzweigenden Türen. Es riecht nach Medizin, aber auch nach Siechtum und Tod. Kann ich hier Musiktherapie praktizieren, und wenn, wie sieht so eine Musiktherapie hier in dieser Klinik aus. Ich habe bisher gelernt, mich mit seelischen Problemen zu beschäftigen, meine Erfahrungen resultieren aus 2 ½ jähriger Tätigkeit in einer Psychosomatischen Fachklinik. Hier hatte ich das Gefühl, gut ausgebildet zu sein. Aber nun? Mein erster Kontakt mit Menschen, ja ich möchte die so genannten Patienten Menschen nennen, ist entsprechend. Ich will hier ein Beispiel zeigen, dass sich so oder so ähnlich, immer wieder abspielt, es ist frei erfunden und soll hier stellvertretend stehen für die vielen Begegnungen, die ich hatte. Eine Frau um die 50. Ich habe eine Zuweisung von einem Arzt bekommen. Kurzer Hinweis auf dem Anmeldebogen, Mamma- CA. Ich betrete schon mit einer gewissen Beklemmung das Zimmer. Was wird mich dort erwarten? Diese Beklemmung, hat mich übrigens bis heute nicht verlassen. Das Zimmer ist ein heller Raum, wie die meisten Zimmer, mit einem Badezimmer. An den Wänden befinden sich Bilder. Es ist ein Krankenhauszimmer, mit einem Bett üblichen Nachttisch etc. Die Frau, die Musiktherapie bekommen soll, liegt in ihrem Bett. Um sie herum eine Menge an Apparaturen, Schläuche, Katheder und anderes. Ich begrüße Sie und stelle mich vor. Ich sei der Musiktherapeut, ihr behandelnder Arzt hätte Sie angemeldet und Sie sicher von meinem kommen unterrichtet. Nein, sie habe von der Musiktherapie im Hause noch nichts gehört, kann sich darunter auch gar nichts vorstellen, hat im Augenblick auch überhaupt keinen Geist für Musik, da sie mit den Nebenwirkungen der Chemotherapie zu beschäftigt ist. Sie muss häufig erbrechen, und es ist ihr verständlicher weise sehr unangenehm, wenn dann ein fremder Mensch anwesend ist. Daher möchte sie im Augenblick keine Musiktherapie. So oder so ähnlich ging es mir sehr häufig am Anfang. Mittlerweile bin ich da routinierter und kann den Menschen die Vorteile der Musiktherapie begleitend zur Chemotherapie besser erklären. Es ist aus meiner jetzigen Erfahrung für die meisten Menschen in einer o.g. Situation sehr erleichternd Musiktherapie zu bekommen. Aber was ist das dann für eine Musiktherapie. Die meisten bettlägerigen Menschen, die zur Musiktherapie angemeldet werden, sind in einer ähnlichen, oder schlechteren Verfassung, wie die oben beschriebene Frau. Dort ist eine Aktive Einzel-Musiktherapie nicht möglich. Die Menschen sind oft so schwach, und von der Chemotherapie so ausgelaugt, dass sie kaum einen Finger rühren können. Was also tun? Eine CD in den CD-Spieler legen, mit klassischer Musik, damit sich die Stimmung wieder verbessert. Ich frage mich, wo bleibt da der Musiktherapeut. Nehme ich mich zu wichtig? Es geht ja hier nicht um mich, sondern um den Menschen. Was ist eigentlich mein Auftrag. Letzteres wird nie genau definiert, es wird nur immer wieder betont, dass Psychotherapie hier keinen Platz hat. Das stimmt auch fast immer. Aber eben nur fast. Ich entscheide mich in den meisten Situationen, für das Spielen, bzw. Vorspielen, oder für jemanden spielen. Saiteninstrumente sind hier für mich die wichtigsten Begleiter. Ich komme von der klassischen Gitarre und da ist diese Affinität schon erklärbar. Ich spiele sehr oft eine Kombination von Gitarre und Monochord. Dabei beginne ich mit einer Körperwahrnehmungsübung, die in der zeitlichen Länge an den jeweiligen Menschen angepasst ist. Für die meisten ist dies die erste Erfahrung mit Wahrnehmungsübungen dieser Art. Aus diesem Grund ist für mich ein behutsames Vorgehen angezeigt.
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